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Monatsbudget pro Person: 90.-

Dieses Budget ist für IK-Maßstäbe vergleichsweise üppig bemessen. Denn aus ihm werden

  • all die kleinen Freuden finanziert, die das einfache Leben ausfüllen und sinnvoll machen. Das kann ein bewusst genossenes Stück Kuchen im Café an der Ecke sein, ein Konzertbesuch oder ein romantisches Dinner im Lieblingsrestaurant. Auch Genussmittel (z. B. Süßigkeiten, Getränke) zählen dazu.
  • Außerdem gehören in dieses Budget alle Dinge, die für die reine Existenzsicherung nicht benötigt werden, aber ihrem Besitzer Freude, Sinn und Kultur vermitteln. Das sind z. B.:
    • Unterhaltungselektronik (Computer, HiFi, TV)
    • Gegenstände, die für ein Hobby benötigt werden (z. B. Malerei, Photographie, Musikinstrumente)
    • Spiele und Sportausrüstung
    • Medien wie Bücher, Film- oder Tonträger
    • Sammlungen
    • Alle anderen Dinge, die Sie eigentlich nicht brauchen, aber schön finden

Kleine Freuden und ein bisschen Luxus:

Bücher, Medien :
  • Um ein Buch, eine CD oder DVD zu genießen, ist es ziemlich unerheblich, ob es sich dabei um teure Neuware, Gebrauchtes oder Selbstgebranntes handelt. Second-Hand-Läden, Flohmärkte und Onlineshops im Internet bieten hier ein riesiges Angebot. Damit lassen sogar oft Dinge beschaffen, die im Neuwarenhandel längst vergriffen sind.
Hobby:
  • Jeder Mensch sollte eigentlich ein Hobby, ein spezielles Interesse haben — es ist Ausdruck von Muße, Kreativität und Individualität. Arbeit und Familie gelten aber in diesem Sinne nicht als Hobby.
  • Alle Kosten für ein Hobby (z. B. Aufwendungen für Materialien oder Instrumente) werden aus dem Freizeitbudget gedeckt.
Events, Kultur :
  • Konzerte, Theater, Kino, Partys, Festivals - das Angebot ist riesig, und damit auch die Gefahr von planloser Zerstreuung und Event-Aktionismus. Ein begrenztes Budget fördert hier die Konzentration auf das Wesentliche, und das wiederum erhöht den Genuss (zumindest, sobald die biographisch oft unvermeidliche Partyphase vorbei ist ...).
Kostenloses:
  • An erster Stelle ist hier der Aufenthalt in der Natur zu nennen. Dort kann man wandern, radfahren, picknicken, schwimmen, lesen, faulenzen und vieles mehr.
  • Im Bereich der Kultur gibt es vielfach Gratis-Angebote — Festivals, Konzerte, Ausstellungen oder Vorträge — es lohnt sich immer, danach zu forschen.
  • Soziale Netzwerke helfen, kostenlose Freizeitangebote zu organisieren — ein Klassiker ist der Spieleabend mit Freunden, oder die private Musikgruppe.

Reine Luxusgüter werden im Konzept des intelligenten Konsums sehr kritisch gesehen, z. B.:

  • Luxusautos, -kleidung oder -möbel
  • Die meisten Markenartikel
  • Exklusive Hobbies, die aufgrund des erforderlichen hohen Aufwands andere ausgrenzen

Dies soll hier aber nicht weiter vertieft werden. Anzumerken ist lediglich: Exklusive Güter und Markenartikel haben immer auch einen Fetisch-Charakter. Sie werden benutzt, um sich persönlich aufzuwerten und Reichtum zu demonstrieren: "Viel Geld ausgeben, um Leuten zu imponieren, die man nicht leiden kann." Dass das ungefähr das Gegenteil von intelligentem Konsum ist, ergibt sich wohl aus den bisherigen Ausführungen dieser Website von selbst.

Die Freude am Nicht-Notwendigen gehört zwar zum Leben. Hat man aber zuviel vom Nicht-Notwendigen, wird das Leben eingeschränkt. So führt etwa eine zu große Ansammlung von hochwertigen Hobby-Gegenständen unweigerlich zur Zeitnot, weil ja alles benutzt werden will. Und neben Zeit erfordert jeder zusätzliche Gegenstand im Haushalt auch Geld für die Anschaffung und Raum für die Aufbewahrung.

Bei Konsumwünschen geht es oft auch um eine Ersatzbefriedigung. Bewusst oder unbewusst Unerreichbares (oder scheinbar Unerrreichbares!) wird durch den Besitz von erreichbaren Gütern symbolisiert oder kompensiert: Macht, Ansehen, Attraktivität, Zuwendung, Zärtlichkeit, Trost, Freiheit usw. Oder es geht darum, eine innere Leere zu füllen. In Krisensituationen lässt sich dieser Mechanismus bewusst als Stütze einsetzen, aber auf Dauer führt er zu einer Art Ersatzleben. Der Besitz verstellt und maskiert den Zugang zum eigentlichen Bedürfnis.

Intelligenter Konsum ist dagegen ein Plädoyer für den direkten Weg: Sie fühlen sich unfrei durch zu viel Arbeit? Wechseln Sie in Teilzeit und lernen Sie, mit weniger Geld auszukommen, statt Ihr Geld für teure Ersatzbefriedigungen zu vergeuden. Usw usf.

In (psychologisch und sozial vertretbaren) Maßen gehören Fülle und Überfluss unbestritten zu den Faktoren, die das menschliche Leben lebenswert machen und, gekonnt angewendet, zu seiner Kultivierung beitragen. Ein Leben, das auf reine Notwendigkeiten beschränkt bleibt, ist trostlos und wird von den meisten Menschen nicht als lohnend und sinnvoll empfunden. Hier deshalb ein paar Vorschläge für ein ganzheitliches Luxusleben:

  • Die Möglichkeit, Zeit zu verschwenden, indem sie nicht mit zielgerichteten Tätigkeiten ausgefüllt wird, gilt in unserer Arbeitsgesellschaft geradezu als sündhafter Luxus.
  • Ein solcher Umgang mit Zeit lässt sich unterschiedlich etikettieren: Als Müßiggang, Chillen, Meditation oder Faulheit. In jedem Fall entsteht dringend benötigter Freiraum, um sich selbst und die eigenen Bedürfnisse (siehe oben) wieder zu spüren.
  • Ein Charakteristikum von Luxus ist seine Nicht-Alltäglichkeit (er lässt sich daduch von Dekadenz abgrenzen). Materieller Luxus gewinnt an Intensität durch das Wechselspiel von Askese und Überfluss. In einer permanent übersättigten Lebenssituation dagegen stumpft der Mensch ab und braucht immer stärkere (Konsum-)Reize.
  • In einer immer stärker individualisierten Gesellschaft wird gemeinsam verbrachte Freizeit zum Luxus. Es gilt heute zwar als schick, einen vollen Terminkalender zu haben. Doch das menschliche Bedürfnis nach Austausch und Gemeinschaft kommt dabei oft zu kurz. Das gilt sogar innerhalb von Familien. Der Luxus, gemeinsam verbrachte Zeit entspannt zu genießen, wird hier als wichtige Voraussetzung für Freude und Wohlbefinden erkennbar.

Ein paar Denkanstöße:

  • Jeder Mensch hat eine Reihe von Grundbedürfnissen, die in unserer Gellschaft nicht unbedingt befriedigt werden. Dazu gehören (nach Coen Reith):
    • Körperbewusstsein, Vitalität und Köpergenuss
    • Sensibilität, Sinnlichkeit, Emotionalität
    • Verwirklichung eigener Talente und Kräfte
    • Verbundenheit mit Welt und Natur
    • Liebe, Mitgefühl und Sinn für Schönheit
    • Kreativität und Selbstausdruck
    • Erwerb authentischer Erfahrungen

Intelligenter Konsum heißt: Prüfen Sie bei jedem Konsumwunsch, ob er nicht als Ersatz für eines der oben beschriebenen Bedürfnisse fungiert. Entscheiden Sie dann, ob Sie Ihre Energie in den Konsum stecken, oder in das Streben, das eigentliche Bedüfnis zu befriedigen. Die Leitfrage bei jeder Konsumentscheidung ist immer dieselbe:

 

Brauche ich das eigentlich wirklich?"

 

Daraus folgt dann:

Was brauche ich eigentlich wirklich?

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