|
|
|
Einfach leben (Simple Living) ist eine seit Jahren im Stillen anwachsende
Protestbewegung, die sich unter dem Motto "Weniger ist mehr"
gegen die Dominanz des Konsums in unserer Gesellschaft richtet. Dieser
Protest bezieht sich auf
- die gesellschaftliche Gleichsetzung von Glück/Erfolg mit umfangreicher
materieller Ausstattung ("sich etwas leisten können")
- die soziale Ausgrenzung derer, die dabei nicht mithalten können
(oder wollen)
- die übermäßige Kompliziertheit eines Alltags, der
mit Konsumgütern (die ausgewählt, finanziert, angeschafft,
benutzt, verwaltet, gepflegt und entsorgt werden) überladen ist
- die wachsende Abhängigkeit der Menschen von Märkten, um
Bedürfnisse zu befriedigen
- den Verlust des Maßes beim Geldausgeben (individuell wie staatlich)
- die ökologischen Folgeschäden einer Produktion, die über
die materielle Bedürfnisdeckung weit hinaus geht
- die Gefahr existenzbedrohender globaler Krisen infolge des heutigen
Wirtschaftens
Intelligenter Konsum (IK) ist eine hier vorgeschlagene
Möglichkeit, das Simple Living praktisch umzusetzen. Der individuelle
Konsum wird dabei etwa auf die Hälfte des heutigen Durchschnittswerts
reduziert. Das hat für die IK-Praktizierenden folgende Vorteile:
- Wer mit weniger Geld auskommt, ist unabhängiger von den
Krisen der Märkte; z. B. bedeutet Arbeitslosigkeit keinen
so radikalen Bruch der Lebensumstände, wenn man Sparsamkeit bereits
gewohnt ist.
- Die Möglichkeiten, Rücklagen zu bilden, steigen. Das erhöht
die gefühlte und tatsächliche materielle Sicherheit
und wirkt Stress und Existenzangst entgegen. Denn die Rücklagen
stehen für Krisenfälle oder die Altersversorgung zur Verfügung.
- Der Verzicht auf gekaufte Leistungen und ihr Ersatz durch Eigenleistungen
erhöht das persönliche Aktivitätsniveau, zugleich
das Selbstvertrauen und das persönliche Wissen und Können.
- Mit der Zeit entwickelt sich durch intelligenten Konsum die Fähigkeit,
mehr aus begrenzten Budgets herauszuholen; das Geld wird gleichsam
"mehr wert". Dieser Effekt wirkt sich für die IK-Praktizierenden
anti-inflationär aus.
- Wenn man bewusst und frewillig Besitz abbaut, wird der Alltag einfacher,
übersichtlicher und selbstbestimmter. Es entstehen Raum und Zeit
für Tätigkeiten und Gedanken außerhalb der Konsumspirale.
- Der hier vorgeschlagene intelligente Konsum bedeutet auch: Bei
allen Konsumentscheidungen werden politische, soziale, ethische und
ökologische Implikationen und Konsequenzen berücksichtigt.
Der Leitgedanke ist dabei, dass der heutige materialintensive
Lebensstil in den reichen Ländern den Mitmenschen in den armen
Ländern und der Natur schadet und deshalb auch aus ethischen Gründen
zurückgefahren wird.
|
Intelligenter Konsum ...
|
| ...
will neuen Wohlstand: |
- IK zielt auf einen Wohlstand, für den materielle
Versorgung lediglich noch als Basis dient. Zum Wohlstand
gehören aber auch:
- Zeitwohlstand (wer weniger Geld benötigt,
muss weniger arbeiten)
- bessere Gesundheit durch weniger Stress, sauberere
Umwelt und gesündere Ernährung
- Größere Unabhängigkeit von
Märkten (z. B. Arbeitsmarkt, Dienstleistungsmarkt,
Warenmarkt)
- eine intaktere Natur infolge ihrer geringeren
Ausbeutung
- mehr Frieden in der Welt durch globale Gerechtigkeit,
infolgedessen weniger Angst und Gewalt
- eine Zukunft, die weniger stark bedroht ist
als durch das heutige System
- mehr Zeit für Mitmenschlichkeit
|
| ...
ist anti-kommerziell: |
- Konsum wird hier nicht verteufelt, sondern als
wertneutraler Begriff benutzt, der für den Gebrauch
und Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen steht.
Kommerzialisierung bedeutet dagegen, dass jedes menschliche
Bedürfnis gewinnbringend vermarktet wird.
Zweitens werden vom Kommerzsystem ständig Scheinbedürfnisse
geweckt; drittens züchtet das System Ersatzbefriedigungen.
All das dient der gewinnbringenden Vermarktung, und das
wird hier als zerstörerisch kritisiert.
- Konkreter gesprochen: Kommerzielle Entwicklung und Fertigung
erschaffen ständig neue Produkte. Deren Angebot auf
dem Markt erzeugt künstliche Bedürfnisse
und Abhängigkeiten (heute glaubt kaum noch jemand ohne
Mobiltelefon oder Auto auskommen zu können). Originäre
menschliche Bedürfnisse (z. B. nach Natur) werden dadurch
unterdrückt, anschließend durch übertriebenen
Konsum kompensiert.
- Bio- und Ökoprodukte sowie regenerative
Energien stehen in der allgemeinen Meinung für
einen verträglichen Konsum, dabei ist auch hier zerstörerischer
Kommerz im Gange: Kampagnen wie www.utopia.de oder
www.karmakonsum.de verkünden: "Kaufen und gönnen
Sie sich was, aber das Richtige!" Der Wunsch nach Veränderung
und ethischem Konsum wird hier direkt wieder als Ware ausgebeutet.
"Shopping hilft die Welt verbessern" heißt
ein populärer Buchtitel, der die Lüge auf eine
Formel bringt. In Wahrheit lässt sich die ersehnte
bessere Welt nicht durch Beibehaltung der bisherigen Konsumquantität
mit verbesserten Öko-Standards erreichen, im Gegenteil.
- Denn der ungezügelte Konsum in den reichen Ländern
hat unsere Welt an den Rand von Katastrophen, Krisen und
Konflikten gebracht. Eine Umstellung der Produktion auf
Ökologie und Nachhaltigkeit ist daher zwar notwendig.
Doch die nackten Zahlen, etwa zum Klimawandel, zeigen, dass
es damit nie und nimmer getan ist. Um solche Krisen aufzuhalten,
braucht es neben der Umstellung der Produktion auf Verträglichkeit
zu allererst eine Halbierung des gegenwärtigen
Konsums; diese Sofortmaßnahme ist sogar doppelt so
effektiv wie die ökologische Umstellung der Produktion
(ein rechnerischer Beleg für diese These befindet sich
unter Klimaschutz-
das Ziel).
- Intelligenter Konsum ist ein durch und durch antikommerzieller
Ansatz: Leitmotiv jeder Konsumentscheidung ist hier die
Frage Brauche ich das wirklich? Oder schadet es mir
oder anderen? Durch im Alltag angewandte Konsumkritik wird
der Weg frei zu unseren wirklichen Bedürfnissen, zu
Autonomie, Mündigkeit, Freiheit und Mitmenschlichkeit.
- Intelligenter Konsum ist damit der Versuch einer inidividuellen
Antwort auf die globalen Krisen, die draußen
vor der Tür bereits auf uns warten.
|
| ...
ist rational: |
- Intelligenter Konsum geht systematisch vor. Im Mittelpunkt
steht die Konsumplanung mittels Budgets und die Erfassung
und Kontrolle der Ausgaben mit Hilfe eines Haushaltsbuchs.
IK nutzt also rationale, wissenschaftlich fundierte Methoden:
- Erforschung der individuellen Bedürfnisse (Analyse)
- Schätzung und Berechnung der dafür benötigten
Mittel (Kalkulation)
- Erfassung, Auswertung und Überwachung der Ergebnisse
(Controlling)
- Aneignung ganzheitlichen Wissens und umfassender Fertigkeiten
(Bildung)
|
| ...
ist ethisch: |
- Eine Form des Konsums, die Mensch und Natur
nicht schadet, ist denkbar und wird angestrebt. Ihre Grundlage
ist freiwillige Selbstbeschänkung.
- Konsum- und Wirtschaftsformen, die die globale
Ausbeutung und Zerstörung bekämpfen,
sind heute schon vereinzelt vorhanden (z. B. Fair Trade,
Genossenschaftswesen, Community Supported Agriculture -
CSA, Entwicklungshilfeprojekte). Ihre Weiterentwicklung
ist das Ziel des IK.
|
| ...
ist politisch: |
- Geld ist nicht einfach nur ein Tauschmittel. Es ist ein
Machtfaktor ersten Ranges. Jede Ausgabe ist gleichzeitig
eine politische Willensbekundung.
- Präziser ausgedrückt: Jeder ausgegebene Cent
löst bestimmte Wirkungen aus: Wird ein biodynamischer
Betrieb unterstützt oder eine auf Pestizideinsatz,
Gentechnik und fossilem Kunstdünger basierende Agrarfabrik?
Startet ein Flugzeug oder setzt sich ein Zug in Bewegung?
Kann ein Handwerksbetrieb Mitarbeiter einstellen oder baut
eine Aktiengesellschaft Arbeitsplätze ab?
- Erst recht ist jeder Euro, der nicht ausgegeben
wird, eine politische Willensbekundung. Wer z. B. auf einen
Neuwagen verzichtet, trägt vielleicht zur Krise in
der Autoindustrie bei, er bewirkt aber auch dringend notwendige
Umdenk- und Umstrukturierungsprozesse in einer problematischen
Branche (das umweltschonende Hauskraftwerk, das Volkswagen
als Reaktion auf die Krise nun baut, ist ein anschauliches
Beispiel).
- Konsumentscheidungen bestimmen tagtäglich, welche
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen und
Mächte gefördert oder gebremst werden. Intelligenter
Konsum bedeutet daher gezieltes und verantwortungsbewusstes
politisches Handeln.
|
| ...
ist hedonistisch: |
- Verfeinerte Sinne sind die Voraussetzung für
jeden Genuss. Sie zu entwickeln ist ein Ziel des intelligenten
Konsums.
- IK legt Wert auf die (funktionale und ästhetische)
Qualität von Gütern und eine innere Bindung
an wenige, dafür hochwertige, nachhaltig genutzte Gebrauchsgegenstände.
- Zum Genuss gehört untrennbar die Muße.
Sie wird erst möglich durch einen (zeitweiligen) Ausstieg
aus dem Hamsterrad von Arbeit und Konsum.
- Kluge Askese (die freiwillige Beschränkung
auf das Wesentliche, ohne dabei zu leiden) fördert
die Genussfähigkeit.
- Intelligenter Konsum verzichtet nicht auf Luxus,
das "eigentlich" nicht Nötige. Doch gerade
ein kluges Maßhalten ist Voraussetzung für den
Überfluss.
- Der primäre Ort des Genusses ist der Alltag.
Seine Zeit ist das Hier und Jetzt. Besser täglich
ein kleines Glück als ständiges Warten auf das
große Glück!
|
| ...
ist die Zukunft! |
- Wir leben in einer Zeit voller Krisen, die aber
auch Chancen zur Korrektur unheilvoller Entwicklungen bedeuten.
Jenseits des ökonomischen Wachstums und am Ende der
bisherigen Arbeitsgesellschaft hat die Zukunft gerade erst
begonnen. Sie erfordert einen neuen Lebensstil.
- Im großen Maßstab praktiziert, ist intelligenter
Konsum geeignet, negative Entwicklungen aufzuhalten
(z. B. die gefürchtete Klimakatastrophe oder die ebenfalls
global drohende Hungerkrise).
- Für den einzelnen ist IK ein Mittel zur aktiven
Krisenbewältigung (z. B. bei Arbeitslosigkeit).
Er bietet die Chance, auch unter veränderten Bedingungen
das eigene Leben in der Hand zu behalten.
- Intelligenter Konsum ist aber mehr als nur eine Reaktion
auf die heutigen Krisen. Er ist auch ein Weg zu einer neuen
Menschlichkeit jenseits aller Kommerzialisierung.
|
|
Diese Website versteht sich als kostenlose Serviceleistung. Sie will
praktische Hilfen anbieten, um mit weniger Konsum mehr und ganzheitlichere
Lebensqualität zu verwirklichen. Für alle Lebensbereiche
werden dazu Anleitungen und Rechenbeispiele gegeben. Die aufgeführten
Tipps wurden vom Autor in einem numehr sechsjährigen Alltagsexperiment
erprobt. Dieses Experiment dauert weiter an, und Kommentare und Verbesserungsvorschläge
sind stets willkommen unter intelligenter-konsum@web.de
(bitte nur kurze Textnachrichten ohne Anhänge schicken).
Dies ist eine private, nichtkommerzielle, unabhängige und überparteiliche
Internetseite. Alle Informationen und Downloads werden interessierten
Besucherinnen und Besuchern kostenlos zur Verfügung gestellt. Jede Art
von Haftung ist ausgeschlossen.
www.intelligenter-konsum.de behält sich das Recht zur anonymisierten Veröffentlichung von Zuschriften
(oder Teilen davon) ausschließlich auf dieser Internetseite ausdrücklich
vor.
|